Der Schöpfung auf der Spur: Kirchenchor - 2017

 

Zwei Tage Auszeit, offen für erlebnisreiche Begegnungen ohne vorgefasste Meinungen, berucksackt mit  Freude und Herzlichkeit. Was braucht es mehr.

Der neue Bus, mit uns auf seiner ersten Tour, fraß sich hungrig durch die Kilometer der A8 zur Raststätte Illertal, wo wir etwas abseits unser Brezelfrühstück genießen konnten. Zuvor war auf der Fahrt Gelegenheit zur allgemeinen Begrüßung, ein kurzes Innehalten für die Losung des Tages und ein Gebet. Und wie passend: „Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein“.

Flott ging es weiter nach Füssen. Mit dem Kurbähnle „Füssen-Express“ machten wir Abstecher in das Umland, sehr bequem, was auch jene zu schätzen wussten, die nicht so gut zu Fuß sind. Auf der Strecke lagen Bad Faulenbach, vorbei am Denkmal von Prinz Luitpold, dem Regenten nach Ludwig II., erwähnenswert auch die Brunnenskulptur mit ihren sieben Stelen und Resten der Stadtmauer samt Pulverturm. Gucken macht Lust auf Essen. Wie gut, dass direkt am Hopfensee Plätze für uns reserviert waren. Zum Träumen schön der Blick auf den See, wo gemächlich auf dem Wasser dahingleitende Boote sich im Gegenlicht wie Scherenschnitte ausnahmen. Wir wären so gerne noch geblieben, aber der Wagen der rollt.

Ein weiterer Höhepunkt stand an: Singen in der Kirche St. Mang in Füssen. Die dreischiffige Barockkirche wurde über dem Grab des Apostels des Allgäus, des hl. Magnus, vom einheimischen J.J. Herkommer im 18. Jh. entworfen und man erkennt den starken venezianischen Einfluss (der Baumeister studierte in Venedig). Um Magnus, insbesondere im Zusammenhang mit dem Lindwurm (Drachen), ranken sich Legenden, wie uns Gerti informierte. Eingedenk der ausgezeichneten Akustik hatte unser Chorleiter die passenden musikalischen Schätze ausgesucht:  'Geh aus mein Herz und suche Freud', 'May the peace of God', 'Nun preiset alle, Gottes Barmherzigkeit', 'Alta Trinita Beata', 'We all are Children of this World', 'Hebe deine Augen auf zu den Bergen', den Schluss bildete ein Irischer Segenswunsch. Diese Chorsätze für sich haben schon Tiefgang, aber durch den gelungenen Vortrag erzeugten sie so manchen Gänsehauteffekt. Und was kam danach? Aha, eine Schiffrundfahrt auf dem Forggensee, das passte doch. Um 1954 wurde der Forggensee Realität. Diese Formulierung deutet an, dass es nicht alle gutgeheißen haben. Um den See herum gibt es vier Wasserkraftwerke. Zuvor gab es nur den Lech, der als Wildfluss die Landschaft prägte und außerhalb seines Laufs über genügend Sickerflächen (Auen-Fluss-Landschaft) bei Hochwasser verfügte. Die grandiose Illasbergschlucht war einzig in Deutschland. Der Stausee fügt sich malerisch ein, verdeckt aber zugleich eine Landschaftsstruktur von einmaligem Charakter, ein Spiegelbild eiszeitlicher Prägung. Nirgendwo ragt Gebirge so steil aus seinem flachen breiten Vorland auf. Forggen erinnert an das untergegangene Dorf gleichen Namens mit Heimatverlust. Der See ist etwa

12 km lang, 3 km breit und am Staudamm 40 m tief. Neun Männer starben beim Bau des Damms.

Vom See aus hatte man den Blick auf Hohenschwangau und Neuschwanstein. Zur Geschichte dieser Schlösser und natürlich auch zu Ludwig I und seinem Enkel Ludwig II, besser als Märchenkönig bekannt, informierte Irmgard. Da tauchte sie wieder auf: die Zeit der Preußen, die von Bismarck, Napoleon III, Kaiser Wilhelm, die Bauwut von Ludwig II, Schulden, Kriege und vieles mehr. Dem Märchenkönig wird nachgesagt, dass er ein großer Verehrer von Richard Wagner war, und von ihm selbst hält sich hartnäckig das Gerücht, dass er den Freitod durch Ertrinken wählte.

Mit dem Bus ging es zügig weiter nach Ehrwald (1000 m ü.M.), wo wir die Nacht verbringen wollten. Das Verwöhn-Hotel war echt ein Knüller, so nah dran an der Zugspitze, ein Domizil, das keine Wünsche offen ließ, außer: Essen und trinken musste man selbst. Zuvor bestand die Möglichkeit in die Wellnesswelt einzutauchen. Es war eine Lust zu leben. Nach dem Abendessen saßen der hockerprobte Chor und seine mitgereisten Gäste noch gemütlich zusammen und ließen den Tag mit Gesang und Gesprächen ausklingen.

Anderntags, nach einem üppigen Frühstück und dem Verladen des Reisegepäcks, versammelten sich alle auf der angrenzenden Wiese zu einer kleinen Andacht. Mit zwei Liedern und der Lesung von Ps. 104 und 107 durch Ruth wurde man inmitten der Gebirgskette gewahr: Mein Gott, wie bist du so groß. Wie unendlich reich sind deine Werke. In deiner Weisheit hast du sie alle erschaffen.

Die Heimreise entlang dem Lechtal wurde in Grän unterbrochen für eine Fahrt mit der Bergbahn zum Füssener Jöchl. Die Aussicht auf das sagenhafte Bergpanorama war gigantisch. Wer wollte konnte noch in Richtung Gamskopf wandern. Anschließend brachte uns der Bus ins Tannheimer Tal bzw. zum Vilsalpsee. Seit 1957 Naturschutzgebiet mit um die 700 Pflanzenarten, Unterwasserrasen, mehreren bedeutsamen Biotopen, reicher Flora und Fauna. Die Reise nach Hause setzte sich fort, teils mit Stautücken. Aber es reichte zur Abendeinkehr und alle kamen wir beglückt und zufrieden wieder heim.

Siegbert Kammermeyer, der die christlichen Impulse streute, brachte es auf den Punkt: Dank dem Herrn oben für das geöffnete Fenster und die Herrlichkeit seiner Schöpfung.

Für diese höchst gelungene Organisation und unentwegte Betreuung während der Reise, danken wir dem Ehepaar Siegbert und Irmgard Kammermeyer.

Chorleiter Hartmut Wolf dankte in origineller Gedichtform, vergaß dabei jedoch nicht, dem Ehepaar Uli und Iris Kühnen für die vielen zurückliegenden Ausflugsvorbereitungen und Durchführungen zu danken.

Für unsere treuen Gäste gilt: Es war schön, dass ihr mit uns gereist seid.

Feste feiern wie sie fallen; dies pflegt auch der Kirchenchor Lichtenwald

Kaum dass die Ferienzeit abgehakt war, gab es triftige Gründe für einen Hock. Zum einen galt es zwei Sängerinnen zu bejubeln, und mit einhergehend wollten aus der Männerriege noch zwei runde Geburtstage nachgefeiert werden. Da war richtig was los. Aber langsam: Vor dem Fleiß kein Preis. Bei allem Tun und Lassen sind wir auch immer äußerst konsequent, also beinahe.

Am Festabend wurde zuerst ernsthaft geprobt, denn in naher Zukunft stehen herausragende Ereignisse an, wozu die Präsenz des Chores vonnöten ist. Allemal eine besondere Herausforderung, der wir uns aber mit Freude stellen. Bei der zeitlich etwas reduzierten Chorprobe war ein Gast kaum zu übersehen, nicht allein der Größe wegen, auch weil großenteils noch fremd: Michael Stadtherr, Bezirkskantor von Esslingen-Land, der u.a. den Lichtenwalder Kirchenchor bei einer seiner Proben kennen lernen wollte.

Nach gegenseitigem Beschnuppern war klar, dass Herr Stadtherr außerdem etwas im Gepäck hatte, und zwar zwei Urkunden, die er nach dem herrlichen Chorsatz „I will sing with the spirit“ von John Rutter aushändigen wollte.

Für 30jährige Sängerinnentätigkeit im Chor wurde Frau Gisela Zoller ausgezeichnet.

Für 25 Jahre Singen in Chören erhielt Frau Brigitte Wöhr ihre Urkunde.

In den Urkunden wurde der Dank für die langjährige Treue zum Chor ausgedrückt.

Aus dem Anschreiben des Verbandes Evangelische Kirchenmusik in Württemberg sind folgende Zeilen besonders hervorzuheben „Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben solange ich bin. Gottes Segen geleite sie an allen Tagen.“ Die Ehrung vollzog sich in würdigem Rahmen in der Kirche Thomashardt, die durch den Duft der Rosen für beide Jubilarinnen auch zugleich den Blick weitete für die vor uns liegende besondere Zeit.

Chorleiter Hartmut Wolf dankte Bezirkskantor Stadtherr für die Übernahme der Ehrung und lud ihn noch zum Verweilen ein.

Die Ehefrauen der runden Geburtstägler hatten Köstlichkeiten aus Küche und Keller für ihre Gäste vorbereitet, denen man sich nur allzu gerne in geselliger Runde hingab. Herzlichen Dank!

 

Gisela Reuß

 

Reise durch die Jahrhunderte

Nein, an Gepäck bedurfte es nicht viel, dafür waren eine tüchtige Portion Neugier, passables Schuhwerk und gute Laune angezeigt. Es war mal wieder Kirchenchor-Ausflug und das just ins Unterland. Der wolkenverhangene Himmel hielt die vorausgesagte Bruthitze zurück, so dass von einem wohltemperierten Tag ausgegangen werden konnte. Hurtig steuerte der Bus auf die Bundesstraße, was infolge verstopfter Autobahn Sinn machte, wodurch die Ausflügler mit einer überaus reizvollen und abwechslungsreichen Landschaft Richtung Backnang / Murrhardt belohnt wurden. Dann fädelte er auf die A 81 ein bis zum Stop für das zweite Früh-stück auf einem baumbestandenen Parkplatz. Wie beflügelt griffen Hände nach dem weißen Tischtuch, breiteten es über den Tisch und das „Tischleindeckdich“ nahm seinen Lauf. Ein großer Weidenkorb mit frischen heimischen Brezeln, Berge verschiedener Würste und gelbe Servietten fanden darauf Platz. Derweil versorgte Fahrer Drago die durstigen Kehlen. Nach dem Verzehr wurde der Platz fein säuberlich verlassen und alle bestiegen wieder den Bus, um die Fahrt fortzusetzen, weil man ja pünktlich zur Stadtführung in Bad Wimpfen sein wollte. Als man sich der Stauferstadt auf dem Berg näherte, präsentierte sich diese beeindruckend mit der größten Kaiserpfalz nördlich der Alpen. Auf dem Parkplatz Seegarten parkte der Bus ein. Dort standen Edle Damen, also Hofdamen in historischen Gewändern, bereit die Führung zu gestalten. Es wurden zwei Gruppen gebildet, eine davon mit weniger zügigem Schritt, da ja alle in den Genuss der Reise durch die Jahrhunderte kommen sollten. Nicht die ganze Stadt siedelt auf dem Berg, sie ist zweigeteilt, setzt sich also im Tal fort, wo auch eine Chemiefabrik Arbeitsplätze bietet.

Mit launigen Versen begrüßte das Edelfräulein die Gäste (wohlgemerkt keine Untertanen bzw. niedrigen Standes) und geleitete diese alsdann durch enge Gässchen, die sich Fußvolk und fahrendes teilen. Mit etwas Rücksichtnahme klappt dies gut. Das einstige Dominikanerkloster beherbergt jetzt das Hohenstaufen-Gymnasium, das teils mit Anbauten der Neuzeit versehen ist. In der Altstadt, die ausnahmslos unter Denkmalschutz steht, reihen sich die aneinandergebauten schmalen Giebelhäuser, mit zum Teil üppigem Fachwerk. Dort wo einstens der Stadtgraben sich langzog gründen Häuser mit dem Vorteil, dass der Keller schon „ausgegraben“ war. Es gab auch einige Beginenhäuser zu sehen, in denen früher fromme Frauen ohne Ordenszugehörigkeit wirkten, Fachwerkhäuser aus der Zeit 1489, 1492 oder das Heilig-Geist-Spital aus dem 16. Jh. Andernorts gab es Einblicke in das Füllmaterial zwischen dem Fachwerk.

Was hat es aber mit dem d' Dobel auf sich? Der Spitzname der Wimpfener. Gemeint sei damit ein geistig etwas zurückgebliebener Mensch, so die Stadtkundige. Das darf nicht unwidersprochen bleiben. Schließlich haben die Schlaule unter dem Neckar in 180 m Tiefe Salz gefördert. Allerdings verschlang der Siedeprozess damals enorme Mengen an Heizmaterial. Seit dem 19. Jh. ist Bad Wimpfen (derzeit 7000 Einw.) Kurort und bildet zusammen mit Bad Friedrichshall und Bad Rappenau das Salinendreieck.

Am Rathaus weisen Wappen geschichtliche Daten aus: Staufisch 12./13. Jh.; Reichsstadt

14. Jh. bis 1802, Hessische Exklave 1803-1951, Baden-Württembergisch seit 1952. Auffällig auch der Adler mit dem Schlüssel im Schnabel, ein Zeichen dafür, dass es in der Nähe eine Peterskirche gibt. Den unveränderten Erhalt der Altstadt verdankt Wimpfen der hessischen Zugehörigkeit. Unter deren Ägide fiel die Stadt regelrecht in einen Dornröschenschlaf, denn während der rd. 150 Jahre geschah nämlich nichts! Eines der dominanten Wahrzeichen ist natürlich der Blaue Turm, ein Bergfried, der äußerlich komplett bandagiert ist infolge vieler Risse. Er wurde um 1200 erbaut, ist 58 m hoch und hat 167 Stufen, die von der Türmerin bewältigt werden müssen. Bei Gefahr ist man „getürmt“ zum Schutz in den Turm. Obwohl keine konkrete Gefahr bestand haben sich einige Ausflügler über die 167 Stufen hergemacht und wurden mit einem fantastischen Ausblick belohnt. Jeden Sonntag und an Feiertagen bläst vom Turm der Posaunenchor.

Unter den staufischen Reisekaisern erlangte Bad Wimpfen im Mittelalter den Status einer Metropole. Eine Staufersäule erinnert an die von den Majestäten abgehaltenen Hoftage. Zuerst kam Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122-1190). Er ließ die Marktstadt zur wehrhaften Pfalz ausbauen, wie sie heute noch zu bestaunen ist. Das Steinhaus, auch um 1200 erbaut, diente als Kemenate der staufischen Kurpfalz und ist einer der größten romanischen Profanbauten Deutschlands. Woher der Rote Turm seinen Namen hat sei nicht geklärt, beim Blauen kommt er vom Schieferdach.

Nach einem kräftigen Mittagessen blieb Freizeit für eigene Erkundungen, allerdings mit der Vorgabe sich rechtzeitig an der Schiffslände unten am Neckar einzufinden. Die knapp einstündige Schiffrundfahrt bis Gundelsheim mit seinem Schloss Horneck (Sitz der Deutschmeister von 1438-1525), haben alle genossen. Anschließend ging es mit dem Bus nach Lauffen, wo dieser herrliche Ausflugstag mit einer Weinprobe ausklingen sollte. Ein idyllisches Fleckchen mit Blick auf die Steillagen des Schwarzrieslings-Anbaus, dem größten in ganz Deutschland. Die Verkostung leitete der Chor mit drei Liedern ein: „Freut euch und singet“, „Drunten im Unterland“ und „Wir lieben sehr im Herzen“. Die Moderation der Weinprobe oblag einer Weinerlebnisführerin, die charmant und weinkundig die Erzeugnisse präsentierte, mit vorangestelltem Trinkspruch: „Der liebe Gott hat nicht gewollt, dass guter Wein verderben soll, drum hat er uns nicht nur die Reben, sondern auch den Durst gegeben.“ Ein deftiger Vesperteller fehlte auch nicht und so konnten auch beim Nachschenken rundum alle sorglos schwelgen, denn die Führerscheine reisten ja nicht mit.

Kein Ausflug des Kirchenchors endet ohne das obligate Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“, bei dem alle Ausflügler mit einstimmten.

Chorleiter Hartmut Wolf bedankte sich aufs herzlichste bei Iris und Uli Kühnen für das große Engagement bei der Vorbereitung und Durchführung des Ausflugs. Und nicht nur er, alle waren voll des Lobs über diesen gelungenen Tag.

Auch die mitgereisten Gäste sollen nicht vergessen sein, ob sie nun schon seit Jahren oder erstmals den Chor auf Reisen begleitet haben, ihnen allen ein großer Dank für die Treue!

 

Gisela Reuß

 

 

 

Immer wieder eine Reise wert - Kirchenchorausflug an den Rheinfall

Pünktlich und gut gelaunt bestieg die große Reisegruppe den wohltemperierten Bus, der auf der Singener Autobahn zügig an Fahrt zunahm und folglich zeitig auf die für das zweite Frühstück vorgesehene Parkfläche einbog. Die ofenfrischen Brezeln und gekühlten Würste nebst Getränken mundeten vorzüglich. Nachdem alle gesättigt und putzmunter waren, ging es weiter grenzüberschneidend in die Schweiz nach Neuhausen, wo schon das Rhyfall-Express-Zügle bereitstand, um die Reiselustigen an den Rheinfall zu bringen. In launigem Spaß schleuderte Europas größter Wasserfall seine tosenden Wassermassen bis in geschützte Zonen, wo man nicht umhin konnte, die Schirme aufzuspannen, weil nicht auszumachen war: kommt das Nass eventuell auch von oben. So um 1888 wurde eine Aluminiumfabrik angesiedelt unter Nutzung der Wasserkraft und gab den Menschen Arbeit und Brot. Das ist nun längst Geschichte, heute erinnert nur noch ein Denkmal an die einstige Produktion. Vor einem Hotel sind die Flaggen aller Schweizer Kantone aufgezogen, die windbewegt das Rheinufer flankieren.

Mittagsrast war nahe Waldshut-Tiengen, und auf der Fahrt dorthin flackerte herbstliches Vorahnen auf, weil das Korn bereits geschnitten war, die Sonnenblumen sich in Positur warfen und auch der Mais sich mächtig in Stellung brachte.

Das nächste Ziel war der Dom St. Blasien, idyllisch im Südschwarzwald gelegen. Kloster und Dom sind äußerst geschichtsträchtig. Bereits im 9. Jh. sollen Mönche ins Tal der Alb (Fluss) gezogen sein. Ein Mönch ließ diesen „Brüdern im benachbarten Waldtal“ einen kostbaren Schatz zukommen: die Reliquien des hochverehrten armenischen Märtyrerbischofs Blasius. Nach diesem Heiligen wurde das spätere Kloster benannt. Auf dem Domplatz steht mittig der Blasiusbrunnen mit der Bischofsfigur. Seit altersher wird der Heilige statt der typischen Insignien (gekreuzte Kerzen) mit einem Buch in der rechten Hand dargestellt. 1218 unterstellte sich St. Blasien dem Hause Habsburg und wurde damit eine Abtei unter österreichischer Landeshoheit. Mit der Aufhebung der Abtei 1806 endete das rund tausendjährige Wirken der Mönche im Albtal. Viele Brände führten immer wieder zu baulichen Veränderungen – das heutige Ergebnis: ein Dom, der viel besucht und bewundert wird, mit Vorhalle, anschließender Rotunde, einer inneren Zierkuppel und einer Außenkuppel, 20 erhabenen Säulen aus weißem Stuckmarmor (ein Rundtempel, dem Pantheon in Rom nachempfunden). Und welch Ironie? Der Großteil Hegenlohes gehörte einst dem Kloster St. Blasien 1173-1649 (Quelle Dr. M. Langhans). Ein Mitglied des Kirchenchors konnte es schwarz auf weiß belegen. In diesem herrlichen Gotteshaus durfte der Chor singen, wozu natürlich rechtzeitig die Erlaubnis einzuholen war. Die Akustik mit ihrem nachschwingenden Widerhall erfordert einiges an Konzentration. Beginnend mit dem Bach-Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ fügten sich „Lobe den Herrn, meine Seele“, „ALTA TRINITA BEATA“ und „Laudate omnes gentes“ großartig ein. Der Gesamteindruck war ein besonderes Erlebnis.

Im Anschluss gab es Gesang vom Feinsten. Der berühmte Universitätschor aus Manila, Philippinen, der sich aus Studenten verschiedener Fakultäten zusammensetzt, absolvierte seine Chorprobe für das abendliche Konzert im Dom.

Das Programm war noch nicht beendet, denn die letzte Etappe des ersten Tages galt Bad Säckingen, wo die Zimmer für die Nacht zu beziehen waren. Aber dann, noch vor dem Abendessen, duschen und Beine hochlegen.

Anderntags war eine Stadtführung in Bad Säckingen gebucht, und das zweigeteilt in eine schnelle Truppe und eine in gemäßigter Gangart. Das war prima. Säckingen war früher eine Insel im Rhein, sie wurde vom rechten Rheinarm umflossen. „Behüt’ dich Gott, es wär’ zu schön gewesen, behüt’ dich Gott, es hat nicht sollen sein.“ Dieser Refrain aus dem Trompeterlied von Josef Viktor v. Scheffel (Epos „Der Trompeter von Säckingen“) skizziert die Romanze zwischen dem Bürgersohn Franz Werner Kirchhofer und der adligen Maria Ursula von Schönau. An diese Geschichte aus dem 17. Jh. erinnert ein Grabstein am Fridolinmünster. Das Münster ist trotz barocker Einflüsse eine gotische Anlage und wegen seiner feinen Rokoko-Ausstattung berühmt. Es beherbergt einen Reliquienschrein des Hl. Fridolin, eine beeindruckende Augsburger Silberschmiedekunst. Die von Samson getragene Kanzel zeigt Darstellungen aus dem Buch der Richter. Mit dem vom Chor gesungenen „Da pacem Domine“ endete die Kirchenführung. Beim weiteren Rundgang konnte man die derzeit in Blüte stehenden seltenen Seidenakazien sehen, des weiteren Schloss Schönau (früher ein Wasserschloss; heute museale Nutzung), Fuchshöhle, ein Gebäude mit drei Ein- und Ausgängen und die weltweit älteste überdachte 206,51 m lange Holzbrücke, die den Rhein zwischen Bad Säckingen und Stein in der Schweiz, überspannt (Eiche-Konstruktion von 1785).

Das abwechslungsreiche Ausflugsprogramm setzte sich anschließend mit einer Bootsrundfahrt auf dem Schluchsee fort, dem höchstgelegenen Stausee Deutschlands. So richtig angetan, die Seele baumeln zu lassen.

Die Fahrt, schon Richtung Heimat, durch den Schwarzwald, wo als Zugabe Iris Kühnen die Schönheit dieser Region pries und allen wieder ins Gedächtnis rief, war bezaubernd. Teilweise sich breiter öffnend, mit in die Hänge hinein versprengten Gehöften, strahlte zum Wohlfühlen so viel Geborgenheit aus und formte sich durch das Wiesental zu einer malerischen Kulisse. Ein letzter Halt noch in Herrenberg, dann vollends heimwärts.

Chorleiter Hartmut Wolf hob im besonderen die exzellente Vorbereitung des Ausflugs durch Iris und Ulrich Kühnen hervor und dankte beiden im Namen aller Mitreisenden. Es war schön, dass auch liebe Gäste diesen noch lange positiv nachwirkenden Ausflug mitgemacht haben.

G. Reuß

 

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Kirchenchor Lichtenwald

Zu fröhlichem und wohlklingendem Singen treffen sich jeden Donnerstag etwa 35 Sängerinnen und Sänger der Gemeinde. Von 19.30 Uhr bis 21.15 Uhr proben wir im Bürgerzentrum in Hegenlohe oder in der Auferstehungskirche in Thomashardt sowohl geistliche Chormusik aus verschiedenen Jahrhunderten als auch heitere, weltliche Chorsätze. Wir singen im Gottesdienst und gestalten ein bis zwei Konzerte pro Jahr.

Auch das Gesellige kommt bei uns nicht zu kurz: Neben dem Jahresausflug versäumen wir keine Gelegenheit zum Feiern.

 

Unser Chorleiter Hartmut Wolf leitet uns fröhlich und kompetent zu anspruchsvollem Singen an und kann uns immer wieder auch für schwierige Aufgaben begeistern.

Neue Sängerinnen und Sänger sind jederzeit herzlich willkommen, zu uns netten Leuten würden Sie sicherlich prima dazupassen.

 

Kontaktadresse:

Hartmut Wolf, Kirchweg 30, 73669 Lichtenwald-Thomashardt,

Telefon: 07153/41464

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Kirchenchor auf Tour

 

Von Lichtenwald nach Waldenbuch, genauer gesagt zur süßen quadratischen Verführung, ist es grade mal ein Steinwurf weit. Sowohl bei den Maya als auch bei den Azteken galten Kakaobohnen (KB) als Tausch- und Zahlungsmittel. Beispiel: 1 Tomate 1 KB, 1 Truthahn 200 KB, Wert eines Sklaven 100 KB. Eine weitere Sichtweise: Aus Kakaobohnen und anderen leckeren Zutaten entsteht auch Ritter Sport. Unsere Naschkätzchen hatten mit Boxen für einen kühlen Transport der begehrten Produkte vorgesorgt. Auf der Weiterfahrt durch den Schönbuch fand sich ein schattiges Plätzchen für einen Halt zum zweiten Frühstück mit Brezeln und Wurst. Walter war der Dank gewiss für die gesponserten Würste. Die Balance zwischen süß und rezent war wieder hergestellt. Den nächsten Stop gab es im Zisterzienserkloster Bebenhausen, das noch erstklassig erhalten ist. Bedeutendes Zeugnis gotischer Baukunst ist das berühmte Sommerrefektorium der Mönche. In diesem Sommerspeisesaal durften wir einige Chorlieder singen, darunter „Wir danken dir, Herr Gott, himmlischer Vater“ von Heinrich Schütz, was nicht nur uns selbst und unseren mitfahrenden Gästen gut tat, sondern auch einigen Brautpaaren, die emsig mit den Fotografen außerhalb nach geeigneten Nischen zum Ablichten suchten. Unsere Glückwünsche packten wir gleich dazu. Grundsätzlich galt bei den Zisterzienser das Schweigegebot, welches nur im Speisesaal aufgehoben war. Es war ihnen aber erlaubt sich durch Handzeichen zu verständigen. Ein Blick ins Dormitorium (Schlafsaal) konnte werfen wer zügig zugange war. In anderen Räumlichkeiten lagen in Vitrinen ornamentierte Tonfliesen und teilweise waren sie auch auf den Fußböden zu sehen. Eine unglaublich schöne Zisterzienserarchitektur in idyllischer Lage, die viel Sehenswertes bietet, getreu dem Motto Kommen. Staunen. Genießen. Flankiert von herrlichen Sommerwiesen, wo vielfältige Falter mit tänzerischen Einlagen bezirzten, strebten wir zum Bus, der uns geschwind zur Mittagseinkehr nach Tübingen brachte. In einem mit Sonnenschirmen überdachten Biergarten gab es alles für trockene durstige Kehlen. Die Sonne belohnte die dennoch recht muntere Reisegruppe mit einem der heißesten Tage. Wir waren uns bewusst, dass es sich bei diesem Gasthaus Loretto um einen Integrationsbetrieb „Freundeskreis Mensch e.V.“ handelt, wo Menschen mit Behinderung ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden, wofür auch das Leitbild steht „Wir gehen miteinander so um, wie wir wünschen, dass man mit uns umgeht.“

Frisch gestärkt ging es anschließend zur Stadtführung. Tübingen, Universitätsstadt seit 1477, mit Einwohnen zwischen 85 Tsd. und knapp 90 Tsd., darunter etwa 30 Tsd. Studenten, kann u.a. auf viele Vereine und 32 Verbindungen verweisen. Das Areal im wohltuenden Schatten der ca. 200 Jahre alten Platanen, die eine beeindruckende Allee bilden und den Neckar stückweise begleiten, ist längst auch zur Musemeile mutiert. Auf den Resten einer ins 13. Jh. zurückreichenden Stadtmauer (Zwingel) thronen eng aneinander geschmiegt Häuser und die Mauer davor, die den Fluss begrenzt, bietet partnersuchenden Einzelgängern jede Möglichkeit auf Erfolg. Nicht zu übersehen ist auch das Ensemble mit dem Hölderlinturm. Bursa / Beutel / Geldbeutel –das 1479 ursprünglich als Internat für Studenten errichtete Haus, wozu ein gefüllter Geldbeutel der Studenten nötig war, beherbergte nach Umbau 1805 die erste medizinische Klinik. Zum Ruhm der Stadt trug auch das 1536 begründete evangelisch-theologische Stift (ehemals Augustinerkloster) bei. Namen großer Männer verbinden sich damit: Kepler, Hegel, Schelling, Mörike, Hauff und weitere. Die Studenten unterlagen einem strengen Auswahlverfahren, sog. Konkurs = zusammenpressen. Nur die Besten wurden aufgenommen. Seit 1969 sind Studentinnen zugelassen. Die Münzgasse die zur Stiftskirche führt, war einstens die einzige Straße auf die keine Misthaufen gesetzt werden durften. Von der Gasse gelangt man auch zum ehemaligen Karzer (Studentengefängnis). In der spätgotischen Stiftskirche finden nicht nur Gottesdienste statt, sondern sie ist auch Raum der Musik. Jeder Samstag ist dem musikalischen Abend vorbehalten, und das seit dem zweiten Weltkrieg, sie ist auch Raum des öffentlichen Diskurses. Die bunten Glasfenster sind aus der Straßburger Werkstatt. Sehenswert ist das Rathaus mit der astronomischen Uhr und der großartigen Sgraffitomalerei an der Außenfront. Mehr Zeit für Besichtigung blieb nicht, denn wir waren für Stocherkahnfahren angemeldet. Das war erfahrbare Studentenromantik pur und nicht nur das, denn ein Chor, der sich vor nichts fürchtet, weiß was er zu tun hat, und so schallten unsere angestimmten Lieder von Kahn zu Kahn, wohlgemerkt immer nur der erste Vers! Gut gelaunt wurde anschließend zur letzten Etappe geblasen – Heimfahrt mit einer Unterbrechung zur Abendeinkehr.

Wir und unsere lieben Gäste waren uns einig, dass wir einen abwechslungs- und erlebnisreichen Ausflug verbracht haben und danken aufs herzlichste für die geglückte Vorbereitung und Durchführung unseren Chormitgliedern Iris und Uli Kühnen.

 

G. Reuß

 

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Kirchenchor Lichtenwald

Chorprobe: donnerstags, 19.30 Uhr Bürgerzentrum Lichtenwald
jeden 1. Donnerstag im Monat in der Auferstehungskirche Thomashardt

 

 

Zu fröhlichem und wohlklingendem Singen treffen sich jeden Donnerstag etwa 35 Sängerinnen und Sänger der Gemeinde. Von 19.30 - 21.15 Uhr proben wir sowohl geistliche Chromusik aus verschiedenen Jahrhunderten als auch heitere, weltliche Chorsätze.
Wir singen im Gottesdienst und gestalten ein bis zwei Konzerte im Jahr.
Auch das Gesellige kommt bei uns nicht zu kurz. Neben dem Jahresausflug versäumen wir keine Gelegenheit zum Feiern

Unser Chorleiter leitet uns freundlich und kompetent zu anspruchsvollem Singen an und kann uns immer wieder auch für schwierige Aufgaben begeistern.

Neue Sängerinnen und Sänger sind jederzeit herzlich willkommen, zu uns netten Leuten würden Sie sicherlich prima dazupassen.

 

 

Kirchenchor auf den Spuren namhafter Baumeister- Ausflug 2013

Es war noch zu früh für eine Weinprobe des „Würzburger Steinbergs“, gerade mal 10.00 Uhr. Dass es ein gutes Tröpfle ist wusste schon  Goethe, ließ er sich doch davon einige hundert Liter in seinen Haushalt nachschicken.

In Würzburg, eine Stadt deren Geschichte bis in die keltische Zeit zurückreicht, stieg der Stadtführer zu uns in den Bus beim „Alten Kranen“, einem Wahrzeichen der Stadt, erbaut von Balthasar Neumanns Sohn. Im Geviert herrschte reges Treiben, zumal die Kilians-Wallfahrt der Kranken und Behinderten mit einem Gottesdienst im Dom stattfand und dort anstelle der Kirchenbänke sich Rollstuhl an Rollstuhl reihte. Eine Besichtigung war für uns somit nicht möglich. Der Frankenapostel Kilian und seine Missionsbrüder wurden im Jahr 689 in Würzburg ermordet. Sehr aufschlussreich war die Fahrt entlang des Mains, der u.a. von der Alten Brücke mit den Heiligenfiguren überspannt wird, durch das Fischerviertel und weitere Stadtteile bis zur Residenz, dem Hauptwerk des großen Barockbaumeisters B. Neumann. Die Führung setzte sich zu Fuß fort durch die Innenstadt, wo ganze Häuserreihen die 1950er-Architektur abbilden, im krassen Gegensatz zu manch barocker Schönheit. Und diese Divergenz scheint sich fortzusetzen. Berühmte Persönlichkeiten hatten einen engen Bezug zu der Stadt, so Matthias Grünewald, Tillmann Riemenschneider, Wilhelm Röntgen, auch Walther v.d. Vogelweide, dessen Grablege beim Frankonia-Brunnen besucht werden kann und einlädt dem Minnegesang zu lauschen, begleitet von der sechssaitigen Gitarrenlaute. Die Stadt beherbergt 56 Kirchen, wovon die St. Burkhard zu den ältesten gehört. In der spätgotischen Marienkapelle mit den Portalfiguren Adam und Eva sang der Chor spontan „Laudate, omnes, gentes“, auch in Anbetracht was B. Neumann, T. Riemenschneider und andere Künstler geschaffen haben. Der Rundgang endete an der Schiffsanlegestelle. Mit dem Schiff „Barbarossa“ fuhren wir nach Veitshöchheim, wo während der Fahrt das Mittagessen serviert wurde. Der neben dem Schloss gelegene schönste Rokokogarten Europas „muss“ besichtigt werden, der angeblich nach Plänen von P. Mayer aus Böhmen nach freimaurerischen Motiven angelegt wurde. Wer sich langsam fortbewegt, wird von der Stille eingeholt und ist mit sich und der Welt zufrieden. „Über dem Parnass inmitten des großen Sees bäumt sich Pegasus auf, um mit seinem Hufschlag die Musenquelle zum Sprudeln zu bringen.“ So tiefsinnig von der Muse geküsst, gönnte man sich zur Abrundung Eisgekühltes.

Unsere „Barbarossa durchpflügte den Main und brachte uns nach Würzburg zurück. Wir wollten zum hoch über der Stadt erbauten „Käppele“ (kleine Kapelle), eine Wallfahrtskirche auf dem Nikolausberg. Mit der seelsorgerischen Betreuung der Wallfahrt waren zeitweise die Kapuziner betraut. Prozessionen finden noch statt. Und wie war das mit dem Zeitmaß? „Die Perlen des Rosenkranzes nehmen dem Beter die Aufmerksamkeit für das Zeitmaß ab.“ Gegenüber dem Käppele grüßt die Festung Marienberg. Ursprünglich Fliehburg der Hallstattzeit, umgeben von sattgrünen Weinreben mit den edlen Früchten. Dann wurde es Zeit zum Einsammeln der Schäfchen (und eines fehlt ja meistens), um für das Nachtlager die Zimmer zu beziehen. Eine komfortable Bleibe, die allerdings beim Bettentest von zwei „Gören“ etwas Federn ließ. Nach gemütlichem Ausklang kroch die Nacht durch Raum und Zeit.

Ein herrlicher Morgen mit einem Verwöhnfrühstück zauberte ansteckende Fröhlichkeit auf die Gesichter. Rasch war das Reisegepäck im Bus verstaut und die Noten lagen griffbereit, denn in der Wallfahrtskirche „Maria im Weingarten“ in Volkach durfte der Chor singen. Die Kirche machte vor Jahren von sich reden, weil die „Rosenkranz-Madonna“ von T. Riemenschneider geraubt, dann aber spektakulär wieder zurückgekommen war. Iris Kühnen hatte Daten über die Sehenswürdigkeiten zusammengetragen: Detailbeschreibung der erwähnten Madonna, “Anna-selbdritt-Gruppe“, „Pietá“ und in größerem Umfang Bezüge zum Lindenholz hergestellt, dem Material zum Schnitzen. Nach stiller Einkehr in der Kirche sang der Chor „Alta Trinita Beata“, „Hebe deine Augen auf zu den Bergen“, „Sanctum nomen Domini“.

Bei der Heimreise durch Maindreieck und Taubergrund, wo auch die Bocksbeutelstraße nicht ausgelassen wurde, sich aber kein Sponsor für eine Verkostung fand, war als nächstes ein Aufenthalt in Weikersheim. Dort hing im Zaubergarten das Schandkleid bzw. Hexenhemd, welches beim Verhör zu tragen war, damit die Hexe kein Zaubermittel verstecken konnte. Ein Druidenfuß auf Türschwelle oder außerhalb Tür gemalt, hielt Hexen und Geister fern. Wer es anstrengender mochte, bestieg in der Stadt den Gänseturm. Bad Mergentheim wurde noch beehrt, eine Stadt, wo die Deutschorden-Hochmeister sichtbar gewirkt haben. In dieser Stadt haben Eduard Mörike und Margarete von Speeth  geheiratet. Als Heilbad erlangte Bad Mergentheim Bedeutung. Ein letzter Stop zum Abendbrot rundete diesen zweiten Tag ab.

Wir hatten einen sehr umsichtigen Busfahrer, der die bestens harmonierende Reisegesellschaft stets souverän an die Zielorte brachte.

Großer Dank geht an Iris und Uli Kühnen, die zum Wohle aller einen wunderbaren Ausflug ausgearbeitet haben, was auch Chorleiter Hartmut Wolf in besonderen Reimen würdigte. Dank auch an unsere treuen Gäste.

 

Gisela Reuß

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Gruppenbild mit Lok "Berta"

Pfahlbauten am Federsee: Unesco-Weltkulturerbe

Ausflug des Kirchenchors

 

Ein frohgelaunter Kirchenchor war mit dem Bus unterwegs auf der Oberschwäbischen Barockstraße in Richtung Federsee. Aber der Reihe nach. Flott tourten wir auf Autobahn und Bundesstraßen unter einem regenverhangenen Himmel durch eine bezaubernd schöne Landschaft zur ersten Rast. Das traditionelle Vesper war rasch ausgepackt und heißhungrig, wodurch auch immer, ließen sich alle die ofenfrischen Brezeln mit Handwurst schmecken. Dann noch ein wenig die Füße vertreten und zurück in den Bus, der uns zügig nach Warthausen brachte. Leider war für das dort ansässige Knopf & Knopf Museum, das internationalen Ruf genießt, kein Zeit, denn wir hatten die Museumsbahn „Öchsle“ gebucht, eine Schmalspurbahn noch aus der Zeit der Königlich Württembergischen Staatsbahnen. „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“! Zu realisieren, dass man sich in die Lage versetzt sieht, schneller zu denken als die Bahn fährt, tat dem Ego so richtig gut. Gemächlich zuckelte die 99er Lok „Berta“ dahin, zischte und fauchte bedrohlich, so dass auch der Wettergott schleunigst seine Zelte abbrach und das Weite suchte. Immerhin waren mit einem Tross von 12 Waggons, darunter Personen-, Speise- und Viehwagen, in 70 Minuten 19 km zu bewältigen. Wie auf Kommando erklang die Hymne „Auf de schwäbsche Eisebahna“, ruckzuck  hatten wir die Textvorlage zur Hand und sangen mit Inbrunst alle acht Verse. Zum Dank  servierten unsere charmanten Reiseveranstalter, Iris und Uli Kühnen, kühlen Sekt für die trockenen Kehlen – Genuss pur. So etwas gibt es also auch in der „Holzklasse“. Wiesen und Wälder säumten die Bahnstrecke bis nach Ochsenhausen, der Endstation unserer Reise auf dem mit Erinnerungen gepflasterten Weg in die Vergangenheit.

Mit dem Bus ging es weiter über Biberach nach Steinhausen, wo sich angeblich die schönste Dorfkirche weltweit befindet. St. Peter und Paul, eine Wallfahrtskirche, ist das Werk der Brüder Dominikus und Johann Baptist Zimmermann. Eine Rokokokirche, sehr edel, mit einem pfeilergesäumten Ovalraum, Stuckarbeiten und Fresken vom Feinsten. Überwältigend schön die Tierstukkaturen wie z.B. die Fütterung eines jungen Kuckucks, das Elsternnest, Eichhörnchen oder die Stubenfliege. Nach dem Mittagessen wurde Bad Buchau angesteuert, wo wir schon zur Führung des UNESCO-Weltkulturerbes „Pfahlbauten am Federsee“ (seit 2011) erwartet wurden. Seit mehr als 150 Jahren kommen sensationelle Funde ans Tageslicht. Am Federsee wurden bislang 20 Siedlungen entdeckt. Vieles bleibt unter Wasser zum Schutz von Verfall. Erste Siedlungsspuren datieren in die Frühbronzezeit. Von der Siedlung Forschner, benannt nach dem Entdecker, heißt es, „diese außerordentlich leicht zu verteidigende Siedlung ist nördlich der Alpen die einzige, im Moor konservierte, befestigte Anlage der Mittelbronzezeit“. Große Teile des Pfahlfeldes der Palisaden und der Ablagerungen liegen noch unberührt im Boden. Oberirdisch sind 1998/99 Häuser nachgebaut worden und geben u.a. Ausschluss über Bauweise, Dämmung, Raumaufteilung. Bei den Wänden beispielsweise mischte man Stroh mit Kuhfladen. In den Musterhäusern sieht man außer Feuersteinen, Katzengold auch steinzeitliche Werkzeuge für Land- und Forstwirtschaft, sowie Töpfe und  andere Gerätschaften. Dann bestand die Möglichkeit zum Museumsbesuch oder zu einer Wanderung auf dem neu erbauten Steg über Feuchtwiesen und Schilf zum Federsee mit seinem   überwältigenden Blick auf See und Umland. Der Federsee: 143 ha, 2,5 km lang, 1,1 km breit, 1,0 m mittlere Tiefe, 3,5 m größte Tiefe, 578 m NN Höhenlage. Hoch zufrieden kletterten alle wieder in den Bus; die Zeit stahl sich davon, dabei wollte unser Chor im barocken Münster von Zwiefalten noch singen. Die Noten lagen griffbereit. Und so erklangen im großen Gotteshaus „Ehre sei dem Vater“ von H. Schütz, „Verleih uns Frieden“ von Mendelssohn Bartholdy und weitere.

Eine wunderschöne Rückfahrt durch das Große Lautertal (mit einem Halt noch zur Abendeinkehr), über Münsingen, Bad Urach nach Lichtenwald, ließ einen gelungenen Ausflugstag ausklingen. Und wie immer, auf Höhe des heimischen Heubergs, sangen alle „Der Mond ist aufgegangen“. Unser Chorleiter Hartmut Wolf bedachte Iris und Uli Kühnen in gereimten Versen mit Dank, dem wir allesamt beipflichteten. Dank auch an unsere mitgereisten Gäste und ein Lob  an die drei Kinder, die ganz toll drauf waren.

 

G.R.

 

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