Chor- und Instrumentalkonzert des Kirchenchores

Vom Barock in die Neuzeit

Konzert des Lichtenwalder Kirchenchors

 

Bach ist und bleibt Bach! Unverwechselbar. Trefflicher hätte das Konzert nicht beginnen können als mit „Ich will den Namen Gottes loben“ aus Kantate 142. Man durfte schwelgen in großartiger Festmusik. Schon das facettenreiche Vorspiel von Orgel (Gotthilf Greiner) und Flöten, dem nachfolgend einsetzenden stimmgewaltigen Chor machten Lust auf mehr. „Wir singen all mit Freudenschall“, eine triumphale zweichörige Komposition von Johann Eccard (1553-1611), ließ ebenso aufhorchen. J. Eccard, ein Schüler von Orlando di Lasso der auch in München wirkte, zählte zu den führenden Komponisten. Faszinierend war die wechselnde Führungsposition zwischen den Chören, wobei der erste vom Chor, der zweite vom Flötenensemble übernommen wurde. Letzterer hatte sich dazu im hinteren Teil der Kirche aufgestellt. Die beabsichtigte Wirkung blieb nicht aus. Mit dem 146. Psalm „Du meine Seele singe“, vertont durch Johann Ebeling (1637-1676), konnte der Chor einmal mehr unter Beweis stellen, wie berührend es anmutet, wenn Komposition und Text sich zu einer Einheit verschmelzen. Ein authentischer Vortrag. Die Begleitung sowie das Zwischenspiel der Flöten, vertieften den Eindruck. Johann Rosenmüller (1619-1684) spürte der Wahrheitsfindung nach und dies schlug sich textlich wie kompositorisch nieder in „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“ (Kleine Kantate). Das war mit dem großen Zeigefinger auf den Punkt gebracht. Und doch schwang Verheißung und Zuversicht mit.

Gotthilf Greiner wechselte von der Orgel zum E-Piano, mischte dort aber nicht Pastellfarben, wenngleich wie leichte Pinselführung seine Finger in die Tastatur griffen zum Vorspiel von „Mal Gottes Regenbogen an den dunklen Himmel“ und quasi eine Tonmalerei skizzierte. Der Chor nahm die vorgegebene Leichtigkeit auf um dann aber gemeinsam die Wolken vom Himmel zu schaufeln. Text und Musik stammen von Martin Gotthard Schneider (1930-2017). In den Reigen neuerer Musik reihten sich „Wo Menschen sich vergessen“, nach einem Satz von Klaus-Ewald Fischbach (1935-2017); „Jesus, be a fence“, ein Gospelsong von Peter Sandwall (geb. 1950), bei welchem Susanne Lindner das Soli sang und der Chor jeweils gut parierte, auch weil dieser sich vom souveränen Spiel Gotthilf Greiners gut geführt wusste.

Nicht nur bei den begleitenden Aufgaben faszinierte das Flötenquintett mit ausgesucht schönen Stücken, gleich vorneweg mit einem höfischen Tanz „Pavan und Gaillard“ von Richard Mico (1590-1661). Diese Tänze wurden seinerzeit im Volksmund als „Dantz und Hupfauf“ bezeichnet, und die Flötistinnen haben dies im tänzerischen Spiel gekonnt umgesetzt. Wie erhaben-schön Blockflötenmusik dem Ohr schmeichelt wurde in den Sätzen von Georg Philipp Telemann ganz hervorragend inszeniert: Suite C-dur / Ouvertüre-Rondeau-Loure-Rigaudon. Ein genussvolles Zusammenspiel. Lobenswert auch, dass Stücke nicht oder nicht mehr so bekannter Komponisten das Programm bereicherten. Da sind zu nennen Antony Holborne (1545-1602) mit „The honey suckle – The Sigh“, eine grandiose Wiedergabe; Glenn Shannon mit „Präludium und Fuge d-moll (1997). Die Freude am Musizieren bei diesem flott daherkommenden Stück war spürbar, aber auch „Amazing Blue Grace“ von Lance Eccles (geb. 1944) beeindruckte.

Die gesamte Blockflötenfamilie war im Aufgebot, angefangen von der Sopran- bis zur Subbassflöte und alle fünf Spielerinnen beherrschen sie virtuos. Und das sind sie: Andrea Höchstädter, Beate Sauer, Heide Susenbeth, Karin Wenger-Schnaible, Elisabeth Wolf.

Lesungen ergänzten das Programm. Dazu hatte Pfarrerin Tamara Besserer den 145. Psalm ausgesucht – ein Lobpreis –  dem der bekannte Vers entstammt „Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte“. Nicht von ungefähr verlas sie auch den Text zu „Mal Gottes Regenbogen an den dunklen Himmel“, ein ganz ausgezeichnetes tiefschürfendes Gedicht.

Beim Irischen Segen „Mögen Wege dir offenstehn, mög der Wind dir stets im Rücken sein“ von Bob Chilcott (geb. 1955), mündete alles in einen wunderbaren Zusammenklang. Schöner kann ein Kirchenkonzert gar nicht ausklingen.

Insgesamt war es ein Programm das auf Vielfalt setzte ohne in Beliebigkeit zu verfallen.

Dank an den Kirchenchor, Gotthilf Greiner, das Flötenquintett, Pfarrerin Besserer und Hartmut Wolf, dem die Leitung oblag, und der mit diesem wunderbaren Konzert bei den Besuchern ein feines Lächeln auf die Gesichter zauberte.

 

Gisela Reuß

 

 

 

Konzerte in Lichtenwald

 

 

25. November 2018 - 19:00 Uhr - Konzert für Orgel und Projektchor mit Jakob Straubenmüller und Fabian Grosch in der Heilig Kreuz Kirche in Hegenlohe.

Kinderkirche und Minikirche starten wieder nach den Sommerferien